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Die Musik und Sprache von Kung Fu

Kung Fu ist in seiner Art vergleichbar wie eine Sprache oder die Musik. Während man bei des Musik zuerst die Noten lernt und die einfachen Gesetzmäßigkeiten der Tonleitern, so lernt man im Kung Fu zuerst einige Grundstellungen und wie man Hände und Füße überhaupt bewegt und einsetzt. Bei der Sprache ist das wohl das lernen und schreiben der Buchstaben, auf die die Sprache aufgebaut wird. Später lernt man die Bedeutung von einzelnen Wörtern bzw. man lernt die Kadenzen in den verschiedenen Dur- und Molltonarten. Im Kung Fu entspricht das dem Erlernen der Möglichkeiten mit den Händen und Füßen zu blocken und zu schlagen.

Jetzt sind die Anfänge langsam geschafft und man geht nun über zu erst einfachen, später komplexeren und schwierigeren Melodien und Musikstücken. Auch in der Sprache fängt man nun mit Mustersätzen und einer einfachen, später niveauvolleren Lektüre an. Entsprechend beim Kung Fu kommen nun sich im Schwierigkeitsgrad steigernde Kampftechniken und Bewegungsformen. Dies sind vorgefertigte Übungen, um allmählich ein Gefühl für die Sache zu bekommen. Allerdings braucht das seine Zeit und Geduld. Erst jetzt beginnt man selber einfache Lieder zu schreiben, selber Texte in der anderen Sprache zu verfassen und seinen eigenen Stil zu entwickeln, sofern man standhaft geblieben ist und nicht aufgegeben hat. Es kommt schließlich nichts von alleine, sondern ist mit Arbeit und Fleiß verbunden! Mit der Zeit kann man sich in allen drei Bereichen immer mehr verwirklichen, sich verbessern und tiefer in diese Welt eintauchen.

Nun kann man einfach und relativ simpel komponieren, sehr viel mit den Hauptstufen arbeiten und ein einfach gestricktes, aber sehr wirkungsvolles und gutes Stück machen. Man kann aber auch sehr viel modulieren, unendlich viele Nebenstufen, sowie Sept- und Sextakkorde einbauen und ein technisch perfektes Stück kreieren, was aber meist nur von Könnern und Kennern geschätzt und verstanden wird. Ebenso kann man mit kurzen, einfachen und ebenfalls simpel konstruierten Sätzen weitaus mehr aussagen, als wenn man ein sehr kompliziertes Satzgefüge mit vielen Verzierungen und Verschnörkelungen benutzt, was meistens dazu führt, daß dies letztendlich auch wieder nur von geübten Leuten, die dieser speziellen Art von Sprache mächtig sind, verstanden wird. Mit dem Kung Fu ist es nicht anders: Einfache und kurze Techniken sind oft effektiver, als sehr komplizierte und übertriebene "Spezialtechniken", wenn sie auch noch so elegant aussehen. Letztere werden ja auch wieder nur von denjenigen, die in diesem Sport oder dieser Kunst schon Erfahrung haben, verstanden und gewürdigt wird.

Es ist aber auch so, daß der noch so gute Komponist sich leichter tut, wenn er einen speziell für seine Wünsche und Fähigkeiten angepaßten Flügel hat, als wenn er an einem alten, verstimmten Klavier spielen muß. Das heißt aber nicht, daß er da nichts zustande bringt. Ein Redner wird sich mit Mikrophon auch sehr viel leichter tun, den Inhalt seine Rede zu vermitteln, als mit blanker Stimme allein, mit welcher er schließlich auch Erfolge erzielt, vorausgesetzt, seine Rede ist gut. So ist es auch mit dem Kung Fu. Man kann hier mit einer guten und einer etwas weniger guten Startvoraussetzung ebensoviel erreichen, man muß es nur wirklich wollen und daran arbeiten, jedoch ist der Weg eventuell etwas schwieriger. Aber, wo ist das nicht so, daß derjenige mit entsprechendem Talent sich leichter tut, als jemand ohne?

Man muß ja nicht alles perfekt können, sondern man spezialisiert sich im laufe der Zeit auf bestimmte Sachen, wenngleich man versucht seine weniger guten Fähigkeiten zu verbessern. So wird es Leute geben, die sich jedes neue Wort sofort merken können, wenn sie es nur einmal gehört haben, aber dafür die richtige Grammatik erst mühsam zu studieren haben. Oder sie benutzen fast intuitiv die richtigen Wortendungen und die richtige Satzstellung, vergessen aber die Wörter schnell wieder. In der Musikbranche gibt es Menschen, die einen Song nur einmal hören müssen und ihn dann sofort Nachspielen können, allerdings auf ein Problem stoßen, wenn sie selber eine Melodie finden wollen. Andere sind extrem kreativ, haben aber Probleme eine Quarte von einer Quinte zu unterscheiden. Dafür mag es noch zahlreiche Beispiele geben, was ich aber damit sagen will ist folgendes: Im Kung Fu gibt es sehr viele Bereiche. Man muß nicht überall gut sein. Jemand der von Natur aus gut kämpfen kann, hat eventuell Probleme, sich eine Bewegungsform zu merken und jemand der sehr ungelenkig ist, weiß es vielleicht seine Kraft richtig einzusetzen. In all diesen Fällen, muß man eben für gewisse Dinge mehr Zeit aufwenden, als für andere. Es gibt also fast keinen, der für Kung Fu gar kein Talent hat, seine Talente in verschiedenen Bereichen des Kung Fu sind unter Umständen nur etwas ungleich verteilt. Darin liegt eben der Sinn, seine Stärken zu finden und Schwächen zu minimieren.

Nun ist noch zu erwähnen, daß es in der Musik sehr viele Richtungen gibt, wie z.B. Blues, Klassik, Soul, Rock, Country, Heavy Metal, Rap und vieles mehr. Diese Gruppen sind sogar nochmals unterteilt, wie in Speed-, Black-, Death-, Thrashmetal usw. In der Sprache gibt es Gedichte, Novellen, Romane, Kurzgeschichten und anderes. Das könnte man so im etwa mit den verschiedenen Richtungen wie Judo, Karate, Teakwondo, Aikido, Jiu Jiutsu, Kung Fu etc. Vergleichen. Aber all diese Gruppen haben eines gemeinsam: Sie laufen unter einen Oberbegriff. Musik, Sprache und Kampfkunst.

Hier muß man selber entscheiden, was einem gefällt, soll aber dabei bedenken, daß die Grundschritte sehr identisch sind, wie oben bereits erwähnt. Das Wichtigste dabei ist die Eigene Einstellung und der eigene Wille. Daß das nicht gerade einfach ist, sieht man daran, daß im Laufe der Zeit - in allen drei Bereichen - viele nicht durchhalten und aufgeben. Man kann eben doch nicht ohne ausprobieren wissen, ob das ein oder andere das richtige für einen ist. Nach einer kleinen Testphase kann man immer noch entscheiden, ob man es für machbar hält, oder gr nicht erst versuchen will. Die Anfänge sind ja, wie schon erwähnt, identisch und das Eigentliche kommt auf einen selbst an, was man daraus macht. Damit will ich verdeutlichen, daß jeder seinen eigenen Stil "erfinden", ausarbeiten und perfektionieren kann, vorher aber eben die Anfangs- und Fortgeschrittenenstadien durchlaufen muß. Jeder muß erstmal herausfinden, was einem liegt und was nicht. Dann kann man sich seine eigenen Schwerpunkte setzten.

Somit hört die Kampfkunst nicht mit dem Schwarzen Gürtel auf, wie es viele fälschlicherweise meinen, sondern fängt mit dem Meistergrad erst richtig an. Wer sich also als Ziel den Schwarzgurt setzt, läuft schon Gefahr, beim erreichen von seinem Ziel die Motivation zu verlieren und schlimmstenfalls mit Kung Fu ganz aufzuhören, wie es Erfahrungen aus der Vergangenheit immer wieder bestätigt haben.

Ein weiterer, allerdings etwas schwer vergleichbarer Punkt kommt hinzu. Man kennt bestimmt das Gefühl, bei gewissen Musikstücken, das Empfinden des Komponisten zu fühlen und manchmal, wenn man die Muse dafür hat, glaubt man, auf irgend eine Weise mit ihm verbunden zu sein. Fast, als ob er durch seine Musik mit dir spricht. Ein Dichter beschreibt oft mit einen kurzem Gedicht sein ganzes Leben und man hat wieder das Gefühl, etwas zu durchleben, was er uns mitteilen will, sofern man dies zuläßt. Wie gesagt, es ist schwer vergleichbar, aber wenn man später die spirituellen und philosophischen Zusammenhänge mit Kung Fu zu erkennen beginnt, so öffnen sich einem ganz andere Welten. Ich möchte eigentlich nicht klischeebehaftet sagen, daß man mit dem Kosmos verbunden ist, aber in diese Richtung geht es. Das ist eine Sache, die man (er)leben muß und schlecht darstellbar ist. Man verschmilzt einfach im Laufe der Zeit mit Kung Fu und der formale Schwarzgurt ist hierfür erst der Anfang.

Ist allerdings jemand wirklich in der Materie, so braucht er hierfür keinen Schwarzgurt, sondern ist von der Tätigkeit alleine ausgeglichen und erfüllt. Der Komponist, der Spaß und Freude am komponieren und der Musik hat, verbessert und verwirklicht sich von selbst, genauso wie es ein begeisterter Dichter oder Schriftsteller tut. Das gleiche gilt natürlich auch für jemanden, für den Kung Fu mehr als nur ein Hobby ist.


Für uns ist Kung Fu eine Lebenseinstellung!