Nächste Termine

Qi Gong

Wenn man zu den Höhen des Kung Fu aufsteigen und
in dessen Tiefen eindringen will, muss man Qi Gong praktizieren;
Wenn man zu den Höhen des Qi Gong aufsteigen will
und in dessen Tiefen gelangen will, muss man Meditation praktizieren
(Ho Fatt Nam) 

Qi Gong (im Englischen meist "Chi Kung" geschrieben) ist die Kunst der Energieentwicklung, insbesondere zum Zwecke der Schulung des Geistes, der Gesundheit und der inneren Kraft. Qi oder Chi, die universelle Energie, hält uns nicht nur am Leben und befähigt uns sowohl alltägliche als auch aussergewöhnliche Leistungen zu vollbringen, sondern hält auch Yin/Yang im Mikro-und Makrokosmos in der Waage. Qi Gong ist älter als die Geschichte. Es wurde in alter Zeit nicht nur von den Chinesen, sondern auch von den Völkern anderer grosser Kulturen an unterschiedlichen Orten und Zeiten praktiziert, auch wenn es verschiedene Namen hatte.

So nannten es die Inder Yoga, die Griechen und ägypter nannten es die Kunst der Mysterien, und die Tibeter die Kunst der Weisheit. Alle aber hatten sie ganz ähnliche Zielsetzungen, Praktiken und Philosophien, die letztlich darauf abzielten "den Weg für die Götter frei zu machen". Für den Hinduisten bedeutet das, durch Yoga Atman und Braman zu vereinigen und sich von der Illusion zu befreien, für den Taoisten die Verschmelzung mit dem Tao, für den Buddhisten den Weg zum Nirvana durch Meditation und für den Christen, durch Gebet die Rückkehr in das Königreich Gottes.

Heilige werden aufmerksam, essen Luft vom Himmel
Und machen den Weg für die Götter frei
( Nei Jing ) 

Ihre Kunst gaben die Meister zu früherer Zeit nur an einige ausgewählte Schüler weiter und so entwickelten sich die Künste unabhängig voneinander. Um die Zeit der Shang-Dynastie (16. Bis 11. Jahrhundert v.Chr.) hatte Qi Gong bereits einen hohen Stand erreicht. Viele der Bewegungsformen ähnelten den typischen Bewegungen von Tieren wie zum Beispiel der Schildkröte, des Kranichs oder des Affen. Diese und andere physische Bewegungen, die der Ausrichtung und Steuerung des inneren Energiestroms dienen, werden als „Dao Yin“ bezeichnet. Wenn also Bewegungen dieser Art ausgeführt werden, dann wird nicht versucht wie die Tiere zu sein, sondern vielmehr bestimmte Eigenschaften zu erwerben, die über menschliche Verhältnisse hinausgehen.

In der Chou-Dynastie (11. Bis 3. Jahrhundert v. Chr.) entstand das berühmte I Ging, das Buch der Wandlungen, welches die Begriffe Yin, Yang und Pakua einführte, die später zu wichtigen Elementen der Qi Gong-Philosophie werden sollten. Die Grundlage der I Ging Divinitionen sind die acht Trigramme. Jedes Kua hat einen Namen, und jenes, welches den Namen Gen trägt, steht für die verschiedenen Körperteile des Menschen und deren Funktion. Durch Meditation über dieses Gen kann die Fähigkeit des Nei Guan (inneres Schauen) oder Nei Jue (innere Reflexion) entwickelt werden. Diese Fähigkeiten führten zur Entwicklung des Cun Xiang, der Gedankenkonzentration im Qi Gong. Cun Xiang und Dao Yin entwickelten sich zu den beiden Hauptrichtungen des Qi Gong.

Die Dichtungen der Tang-Dynastie (7.bis 10 Jahrhundert n.Chr.) beschreiben viele Qi Gong Zustände.

Wenn sich meine Augen zum Meditieren schliessen,
strahlt schwingendes Chi von Innen heraus.
Vibrierende Empfindungen der Freude kommen auf
wie krabbelnde Insekten in leiser überraschung.
Diese Empfindung dringt in jede Zelle ein.
Aus der Mitte beginnt sich die Leere zu blähen.
Ich vergesse mich selbst und werde formlos,
mein Geist und der Kosmos lösen sich im Nichts.
(Po Chu Yi) 

Von der Han Dynastie (Budidharma) bis zur Tang Zeit gewann die Anwendung des Qi Gong auch in den Kampfkünsten an Bedeutung. Im Shaolin Kung fu gab es 72 spezielle Künste, wie "Die Goldene Glocke" oder "Eiserne Hand". Zwar nimmt auch hier der Geist (weiche übungen) den höchsten Rang ein, doch ist daneben die Kräftigung und Reinigung des physischen Körpers wichtig (harte übungen). Aus Unkenntnis glauben jedoch Manche, dass (Shaolin)Kung fu nur „hart“ und niemals „weich“ ist, da sie nicht die Geduld oder auch nicht die Möglichkeit haben, zu den höheren Stufen vorzudringen, auf denen Kung fu weitgehend weich und innerlich ist (Tai Chi, Pakua, Hsing Yi).

Wärend spezielle Qi Gong Kraft meist auf der mittleren Stufe der Kung Fu Ausbildung trainiert wird, lernt man allgemeines schon zu Beginn, auch wenn der Schüler dies oft nicht bemerkt. Die "Reiterstellung" etwa hilft dem Schüler unter anderem, seine Energie in seinem "Bauch" zu speichern und seine Beine zu stärken. Ebenso lernt der Anfänger bei der Ausführung verschiedener Schläge, Tritte und Techniken explosive Laute auszustossen. Diese helfen Ihm mit ihren Schwingungen seinen Energiestrom zu regeln, sowie verschiedene innere Organe zu massieren und zu kräftigen. Weiterhin lernt er, eine Reihe von Bewegungen so auszuführen, als ob sie eine einzige lange und durchgängige Bewegung wäre (Formen) und diese mit korrekter Atmung zu koordinieren. Er findet heraus, wann er den Atem anhalten, wann er schnell und explosiv ausatmen und wann er den Atem wie einen langen, dünnen Faden langsam entlassen soll, um seine Kampffertigkeiten durch Chi zu steigern. Die einzelnen Qi Gong übungen sind im Grunde sehr einfach, müssen jedoch kontinuierlich geübt werden um Wirkung zu zeigen. Dazu gehört auch die Meditation.

Der aufmerksame Leser hat erkannt, dass man Kung Fu nicht in verschiedene Teile, wie Qi Gong, Hsing Yi, Tai Chi, Techniken oder Formen trennen kann, sondern dass alles ineinander fliesst und dass das eine ohne das anderen nicht existent ist (Yin/Yang). Folglich ist das ständige Training derselben Techniken und Stellungen keine sinnlose Schikane oder Einfallslosigkeit, sondern die notwendige Kontinuität um den Grundbaustein Chi zu erfahren.

Der Wille ist der Befehlshaber des Chi.
Chi ist die Gesamtheit des Körpers und des Universums.
(Meng Tzu)